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Geschirr oder Halsband?

erstellt am: 24.03.2015 | von: Doreen | Kategorie(n): Hundeblog

Die Frage ob ein Hund nun besser an einem Geschirr oder an einem Halsband zu führen ist, ist eine sehr häufig gestellte. Deshalb möchte ich hier das Für und Wider erläutern und das Verständnis dafür wecken. Grundsätzlich kann man von vorneherein sagen, dass ein Hund schon von Welpe an lernen sollte nicht an der Leine zu ziehen. Denn habe ich meinem Hund eine korrekte Leinenführigkeit beigebracht ist die Frage ob Geschirr oder Halsband schon recht einfach zu beantworten. Mann kann Beides benutzen!

Bevor man nun simuliert was der Hund tragen sollte, finde ich die Frage "Warum zieht der Hund?" noch viel wichtiger! Denn habe ich als Hundebesitzer die Antwort auch wirklich verstanden, wird man schnell fest stellen, dass der Hund gar nicht ziehen müsste. Der Hund stammt vom Wolf ab, und trotz aller Domestikation liebt auch er das Herumstreifen und die Welt erkunden. Das ist der Hauptbestandteil der "Tagesarbeit" des Hundes, und er tut das in einer wesentlich schnelleren Schrittfolge als der Mensch. An der Leine geführt zu werden, und diese drastische Einschränkung in seiner Freiheit, ist etwas völlig unnatürliches für den Hund. Natürlich kann man in der heutigen Zeit unseren Haushund nicht einfach herum laufen lassen, das wäre auch für ihn viel zu gefährlich (Verkehr, Menschen,..). Also müssen wir ihm die Leine schmackhaft machen und ihm beibringen, dass es "normal" ist, ein - wie ich es gerne nenne - Sicherheitsband um zu haben. Denn eine Leine sollte nicht dazu dienen, den Hund einzuschränken, ihm Schmerzen zuzufügen, zu maßregeln oder ähnliches. Eine Leine sollte ein Hilfsmittel sein, welches nötig ist um sicher mit dem besten Freund durch den Alltag zu gehen.

Somit ist schon mal ein wichtiger Punkt fest zu stellen: Die Leine ist völlig unnatürlich für den Hund. Sein Hauptsinn ist die Nase, mit der er die "Zeitung lesen" möchte. Um nun an einem tollen Grashalm riechen zu können zieht er an der Leine. Kommt er damit nun zu seinem Ziel (dem Grashalm) hat er spätestens beim zweiten oder dritten Mal verstanden: Ich ziehe an der Leine und komme meinem natürlichem Umfeld näher.  Dieser erlernte Leinen-Zieher ist wohl der am häufigsten zu sehende. Für das erlernte Ziehen ist meist das perfekte Beispiel das Treffen des Hunde-Kumpels. Man sieht beim Gassi gehen den Hunde-Kumpel, meist auch Menschen Kumpel, und vor lauter Freude kann es nicht schnell genug gehen.. der Hund zieht an der Leine... und erreicht in den meisten Fällen sein Ziel und eine tolle Belohnung noch dazu.

Nun gibt es aber auch Hunde, deren Individualbereich durch die Leine unterschritten wird. Jedes Lebewesen hat eine individuelle Grenze gegenüber anderen Lebewesen, bei einem ist diese größer, bei anderen geringer. Wird diese nun unterschritten fühlt man sich unwohl.. man denke an einen überfüllten Aufzug oder den vollen Bus. Und so geht es vor allem sensiblen Hunden auch. Durch die Leine werden diese nun "gezwungen" ihren individuellen Bereich unterschreiten zu lassen. Um diesem unwohlen Gefühl zu entgehen ziehen sie an der Leine. Diese Version ist meist am schnellsten zu lösen. Es gibt aber auch einfach situationsbezogene Leinen-Zieher, sprich wenn ein Hund Angst bekommt und lieber flüchten möchte, zieht er in die entgegengesetzte Richtung um aus der Situation heraus zu kommen. Oder steht wie ein Esel da, aus Furcht, und der Besitzer zieht auf einmal an der Leine. Auch kann ein geweckter Jagdinstinkt oder eine sexuelle Motivation dahinter stecken. Nun merkt man schon, dass bei genauer Betrachtung das Ziehen an der Leine IMMER einen Grund hat! Daher ist es wichtig zu verstehen was der beste Freund einem eigentlich sagen möchte, wenn er sich ärgerlicherweise in die Leine hängt. Bestimmt möchte er uns nicht ärgern...

Nachdem wir nun das große "Warum" geklärt haben, können wir uns dem eigentlich Thema Geschirr oder Halsband widmen. Hier möchte ich die anatomischen und physiologischen Fakten darlegen um zu veranschaulichen was welches Halsband wirklich bewirkt.

Trägt der Hund ein Halsband und zieht wie oben beschrieben, "wirken diese Kräfte auf einen wenige Quadratzentimeter umfassenden Bereich des Halses, an dem sich wichtige Organe wie die Schilddrüse, der Kehlkopf, die Luftröhre und die großen Halsgefäße befinden. Ebenso betroffen ist die gegen seitliche Beschleunigungen chronisch empfindliche Halswirbelsäule." (Kleintierpraxis, Dr. Ralph Rückert, 2012)* Dies sind erhebliche und nicht zu unterschätzende Folgen, welche man bedenken sollte wenn einem das Training der Leinenführigkeit zu anstrengend ist. Die Tierarztkosten bei solch fatalen Schäden sind meist schlimmer, ganz zu schweigen von den Schmerzen die der beste Freund oft jahrelang erleiden muss. Als Beispiel kann man sich die Rasse Mops anschauen, welche durch heutige Züchtung schon meist ganz ohne Halsband Atemwegsprobleme hat. Wenn ein solcher dann vielleicht auch noch ein Hund ist der ständig an der Leine zieht, ist es offensichtlich dass er sich den Hals zuschnürt. Oft röcheln solche Hunde dann schon chronisch, so etwas sollte man seinem Haustier nicht antun.

Also ist die Alternative ein Geschirr? Grundsätzlich ja, doch auch hier gibt es ein großes ABER! Mittlerweile gibt es hunderte Versionen von Hundegeschirren. Vom moderen mit viel "Schnickschnack" bis zu richtigen Arbeitsgeschirren, welche bei Schlittenhunden oder Mantrailern benutzt werden. Wie die Jenaer Studie zur Hundefortbewegung von 2006** veröffentlichte ist es wichtig, dass ein Geschirr die freie Bewegung der Vordergliedmaßen inklusive der Schulterblätter ermöglicht. Noch vor dieser Studie nahm man an, die Schulterblätter spielen keine so große Rolle in der Fortbewegung, dies ist nun aber widerlegt. Leider haben sich die Hersteller vieler Hundegeschirre nicht an die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst. Das bedeutet, ein Geschirr mit viel Schulterauflage ist ebenfalls ungeeignet. Ein Geschirr sollte immer richtig an den jeweiligen Hund angepasst werden, denn bei viel Bewegung kann Reibung entstehen und somit wunde und schmerzhafte Stellen. Je mehr ein Geschirr vom Hundekörper verdeckt desto mehr freie Bewegung nimmt es auch, was für manch einen Hund auch einfach sehr unangenehm ist.

Fazit: Ein Hund kann sowohl Halsband als auch Geschirr tragen, ABER die Situation ist wichtig. Ein notorischer Leinenzieher sollte ohne Diskussion nicht am Halsband geführt werden. Das Argument Geschirre verleiten zum Ziehen an der Leine zählt gar nicht, denn Leinenführigkeit muss man üben. Ganz egal ob nun Halsband oder Geschirr. Und durch Schmerzen, verursacht durch das Halsband, lernt ein Hund mit Sicherheit nicht wie man ordentlich an der Leine geht. Für kurze Strecken, beim Fuß laufen in der Stadt und vor allem im Freilauf kann der Hund ohne Bedenken ein Halsband tragen.  Doch, sobald man als gewissenhafter Besitzer weiß, da könnte mein Hund ziehen oder man möchte Joggen / Fahrrad fahren mit Hund gehört ein richtig sitzendes Geschirr an den besten Freund.

Bei der Auswahl eines Halsbandes sollte man darauf achten, dass es nicht zu schmal ist. Sollte der Hund mal unvermittelt ziehen ist die Druckfläche größer und die Gefahr der Verletzung nicht gleich so groß.

Ein tolles Preis- Leistungs-Verhältnis für maßgefertigte Geschirre gibt es hier: www.hussy-shop.de

* Kleintierpraxis, Dr. Ralph Rückert, 2012, Link zur Seite
** Jenaer Studie zur Hundefortbewegung Link zur Studie

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Kommentar

Hallo, habe diesen sehr interessanten Artikel gelesen und wollte jetzt mal fragen, was macht man mit einem ca. 35 kg schweren Hund, man selbst wiegt nur 55 kg, der ein Geschirr trägt? Natürlich muss der Hund lernen, an der Leine zu gehen. Aber wie soll das gehen, wenn ich dem rein kräftemäßig nicht gewachsen bin?

LG
Heidi

Hallo,
das ist ein guter Einwand! Die Leinenführigkeit bedeuted ja, dass der Hund Spaß daran hat bei Ihnen zu laufen, also Sie als Hundebesitzer sich interessanter als die Umwelt machen müssen. Dies erreicht man mit gezielten Bindungsübungen in Verbindung mit der Leine. Ihr Hund muss lernen, dass egal wie groß er ist, es sich lohnt und toll ist bei Ihnen zu laufen. Bei der Leinenführigkeit geht es nicht um Kraft und Macht, sondern um Vertrauen und sich wohl fühlen. Und so lange er das nicht kann und weiß, ist es, aus den besagten Gründen, welche sich medizinisch im Laufe der Jahre bemerkbar machen können, fatal ihn am Halsband ziehen zu lassen. Zieht ihr Hund am Halsband weniger? Ja, denn er hat Schmerzen.. und wollen sie nun das ihr Hund bei Ihnen läuft weil er Schmerzen hat oder weil er sie toll findet? Gerne zeige ich Ihnen bei einem Termin wie genau sie die Leinenführigkeit erreichen können.
lg Doreen